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Da Aloise
R. - oder wie menschlich es auf der Wies'n zugeht
Die Scheibn
Der letzte Aufbautag
Projekt WIES'N

Um meine (freie) Arbeit als Journalist und Schriftsteller zu finanzieren, war ich bisher gezwungen, hin und wieder diverse Jobs anzunehmen.

Ich schrieb Software für die Firma GAO, stand bei der Süddeutschen Zeitung von 22 Uhr bis 05 Uhr am Fließband, half dem Beck-Verlag bei seinem Münchner Umzug, räumte bei einer Filmfirma den Fundus um, kommissionierte bei Rifle, arbeitete bei Microsoft im Lager, bestückte und lötete Platinen bei einer Firma, die Videoüberwachungsanlagen für Bordelle herstellte, machte Umzugs- und Gärtnerarbeiten, wäre durch einen unvorsichtigen LKW-Fahrer bei einer Entrümpelungsaktion einer Vorhangschienenfirma beinahe einmal in der Anliefergrube einer Müllverbrennungsanlage gelandet, lieferte einige Zeit lang für die Firma Stuhl-Kadeter Möbel aus (Man lernt übrigens viel über Menschen, wenn man täglich zehn verschiedene Wohnungen sieht!) usw. usf.!

Eines Tages landete ich bei der Firma M/S Studios von Klaus Stichauer, die von der Kleindekoration über Schilder und Messebau auch Großdekorationen macht, und mit ihr auf der Wies'n. Sie sollte vier Jahre lang für jeweils ca 3-4 Monate (neben Schreibmaschine und Computer) mein Arbeitsplatz werden.

Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit stellte ich fest, daß die bunte Großbaustelle der Wies'n ein idealer Inspirationsquell war. In den Arbeits- und Mittagspausen sowie nach Arbeitsschluß führte ich Gespräche mit Zeltbauern, Dekorateuren, Standlleuten, Spülern, städtischen Bediensteten, Rentnern, Kantinenpersonal, Bedienungen, Schaustellern, Touristen und Besuchern bzw. belauschte deren Gespräche.

Nach und nach bekam ich eine ganz neue Sicht von der Wies'n, die ich bisher nur als Wies'n-Bummler und Konsument gekannt hatte. Langsam reifte der Entschluß, auf diesem Hintergrund einen satirischen Roman (sollte sich diese Form als ungeeignet erweisen, einen Band Prosaminiaturen bzw. eine satirische Erzählung) mit der, um die und von der Wies'n zu schreiben.

Leider wurde dieses Projekt nach Einreichung für ein Literaturstipendium der Stadt München nicht unterstützt.

Tipp an alle jungen Münchner Schriftsteller: Es ist völlig sinnlos, sich da selber um ein Literaturstipendium zu bewerben, ohne festen Kontakt zu einem grossen Verlag VOR der Bewerbung. Ohne "Vitamin B" kriegt ihr in München nicht mal einen nassen Handschlag, geschweige denn ein Stipendium ... :-)


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